Praxisanleitung: 10-Sekunden-für-10-Minuten-Prinzip anwenden
Das 10-Sekunden-für-10-Minuten-Prinzip (10-for-10-Prinzip, Ten-for-Ten) ist ein Hilfsmittel zur kurzen strukturierten Lageorientierung in der Notfallversorgung, um in unklaren oder kritischen Situationen strukturiert, sicher und zielgerichtet weiterzuarbeiten.

Abbildung: Piktogramm 10-for-10-Prinzip
Indikation
in kritischen oder unübersichtlichen Notfallsituationen schnell Überblick verschaffen, Prioritäten setzen und das weitere Vorgehen planen
Material
-
Durchführung
Gemeinsame Lagebeurteilung (10 Sekunden)
Die folgenden Fragen helfen bei der schnellen gemeinsamen Lagebeurteilung. [1]
Was ist das Hauptproblem?
Was wurde bereits gemacht?
Was ist im Moment die größte Gefahr für den Patienten?
Was sind die nächsten sinnvollen Schritte?
Reichen die vorhandenen Ressourcen (Helfer, Material) aus?
Gibt es Gefahren für Helfer und Anwesende?
Planung (für 10 Minuten)
Priorität der nächsten Schritte festlegen
Aufgaben unter den vorhandenen Helfern verteilen
Anmerkungen
Beim Auftreten von Problemen oder beim Stellen einer neuen Diagnose wird das ganze Team zu einer kurzen Unterbrechung fast aller Tätigkeiten aufgefordert (10-für-10). Alle Helfer hören kurz zu, alle Informationen werden zusammengetragen, Ideen vorgebracht und etwaige Bedenken geäußert. Dann wird ein Plan aufgestellt und die Ressourcen verteilt. Dann geht es nach zehn Sekunden mit den Massnahmen weiter, die dann mindestens die nächsten zehn Minuten besser und koordinierter ablaufen. [2]

Abbildung: 10-Seconds-for-10-Minutes Principle
Beide Zeiträume sind natürlich symbolisch zu verstehen. Die zehn Sekunden Auszeit können dem Patienten im extrem Fall zehn Jahre Leiden ersparen. [3]
Das 10-Sekunden-für-10-Minuten-Prinzip kann auch hilfreich sein bei der Bearbeitung von Fallbeispielen oder bei einer praktischen Prüfung.
Typische Auslöser für ein 10‑für‑10
Die folgenden Situationen können Anlass für ein 10-für-10 sein. [4]
Wahrnehmung von beginnendem Chaos
Überforderung im Team
wesentliche Zustandsänderung des Patienten (zum Beispiel plötzliche Hypotonie, respiratorische Verschlechterung, ROSC)
Übergang in eine neue Phase der Versorgung (vor technischer Rettung, vor Intubation, vor Umlagerung, vor Transport)
Auch bei einer laufenden Reanimation kann das Prinzip genutzt werden, wobei Beatmung und Herzdruckmassage ohne Unterbrechung weitergeführt werden müssen.
Hintergrund
Das 10-für-10-Prinzip kommt ursprünglich aus dem Crew Resource Management (CRM) der Luftfahrt und wurde in der Notfallmedizin adaptiert, um die Zusammenarbeit in stressigen Situationen zu optimieren. CRM betont die Bedeutung von Kommunikation, Entscheidungsfindung und Teamarbeit, um Fehler zu minimieren und die Patientensicherheit zu erhöhen. [5]
Literatur
[1] | KI-Assistent Gemini (Google): KI-unterstützt erstellt (abgerufen 2026-01-10, https://gemini.google.com/app). |
[2] | M. Rall, C.K. Lackner: Crisis Resource Management (CRM) - Der Faktor Mensch in der Akutmedizin: in Notfall + Rettungsmedizin Mai 2010. |
[3] | Royal College of Anaesthetists: The potential of the '10-seconds-for-10-minutes principle' |
[4] | KI-Assistent Perplexity (Perplexity AI): KI-unterstützt erstellt (abgerufen 2026-01-10, https://www.perplexity.ai/). |
[5] | DocCheck Community GmbH: 10-für-10-Prinzip |









