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Praxisanleitung: Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen

Beim Versagen der Herzkreislauffunktion ist der betroffene Patient auf eine schnelle und zielgerichtete Behandlung angewiesen. Um einen größtmöglichen Erfolg zu erzielen, existieren standardisierte Behandlungschemata (Algorithmen).

Abbildung: Piktogramm HLW

Indikation

Material

Durchführung

Die folgenden Durchführungsvorschläge beschreiben die Technik für unterschiedlich alte Patienten:

 

Die folgenden Durchführungsvorschläge beschreiben die Technik für unterschiedliche Helferqualifikationen:

Anmerkungen

Im Gegensatz zu der Herz-Lungen-Wiederbelebung beim Erwachsenen besteht bei der Reanimation von Neugeborenen, Säuglingen und Kindern von Angehörigen oft der Wunsch 'mitzuhelfen'.

Hilfreich kann auch die Betreuung der Anwesenden durch ein Kriseninterventionsteam oder einen Notfallseelsorger sein.

Die Reanimation von Unfallverletzten wie Polytrauma, Verbluten oder Schädelhirntrauma ist leider oft trotz maximaler Anstrengungen erfolglos.

Fester Untergrund

Der wiederzubelebende Patient sollte nach Möglichkeit zur Herz-Lungen-Wiederbelebung auf einen harten Untergrund verbracht werden. Wenn dies aus welchen Gründen auch immer nicht möglich ist darf der Beginn der Maßnahmen nicht durch aufwendige Lagerungsaktivitäten verzögert werden. Wenn Thoraxkompressionen auf einer weichen Unterlage (Matratze, Fahrzeug) durchgeführt werden, werden sowohl Brustkorb als auch Unterlage komprimiert. Dies hat das Potenzial, die Effektivität zu mindern. Dennoch kann eine effektive Drucktiefe auch auf einer weichen Unterlage erreicht werden, wenn der Helfer der die Wiederbelebung durchführt genügend Kraft aufbringt, um das Zusammendrücken der weichen Unterlage zu kompensieren. [1]

Helferwechsel

Nach zwei Minuten Herz-Lungen-Wiederbelebung sollen die Helfer ihre Position/Aufgabe wechseln, um Ermüdungserscheinungen und einen Qualitätsverlust der Druckmassage zu vermeiden. Hierbei muss auf die Vermeidung unnötiger Wechselzeiten geachtet werden. [2]

Alterseinteilung Reanimation

Neugeborene

unmittelbar nach der Geburt

Säugling

< 1 Jahr (schließt jedoch nicht das unmittelbar Neugeborene ein)

Kind

> 1 Jahr bis Beginn Pubertät

Jugendlicher, Erwachsener

ab Pubertät

Bei der Reanimation wird der Begriff 'Neugeborenes' nur für Kinder unmittelbar nach der Geburt verwendet, im Unterschied zur Kinderheilkunde in der ein Kind bis bis zum Alter von vier Wochen (28 Tage) als Neugeborenes bezeichnet wird.

Die Differenzierung in Säuglinge und Kinder ist wichtig, da es Unterschiede bezüglich Diagnostik und Interventionen gibt. Der Beginn der Pubertät, also das physiologische Ende der Kindheit, ist das Erkennungsmerkmal für die obere Altersgrenze der pädiatrischen Leitlinien.

Für Jugendliche gelten die Erwachsenenleitlinien.

Übersicht der Empfehlungen des European Resuscitation Council (ERC) von 2015

 

 

Erwachsene

Kinder

Säuglinge

 

Erkennung

  • nicht ansprechbar und / oder keine Lebenszeichen erkennbar

 

  • keine Atmung oder keine normale Atmung (zum Beispiel Schnappatmung)

 

 

Kompression - Frequenz

  • mindestens 100 pro Minute

  • maximal 120 pro Minute

 

Kompression - Tiefe

  • mindestens 5 cm

  • maximal 6 cm

  • mindestens 1/3 des Brustkorbdurchmessers: ca. 5 cm

  • mindestens 1/3 des Brustkorbdurchmessers: ca. 4 cm

 

Kompression - Technik

  • vollständige Entlastung des Brustkorbes zwischen den Kompressionen ermöglichen

  • Herzdruckmassage durchführende Helfer alle zwei Minuten wechseln

 

Kompression - Unterbrechungen

  • Anzahl der Unterbrechungen der Herzdruckmassage auf ein Minimum reduzieren

  • einzelne Unterbrechung der Herzdruckmassage auf weniger als zehn Sekunden begrenzen (einsetzen Atemwegshilfe: maximal 5 s, Defibrillation: maximal 5 s)

 

Atemweg

  • Kopf überstrecken und Kinn anheben

 

Verhältnis Kompression / Beatmung

(bei Mund zu Mund/Nase oder Maskenbeatmung)

  • 30 Kompressionen / 2 Beatmungen

  • ungeschulte Helfer: 30 Kompressionen / 2 Beatmungen

  • erfahrener Helfer: 15 Kompressionen / 2 Beatmungen

 

Beatmung mit Atemwegshilfe

  • 1 Beatmung alle 6 bis 8 Sekunden durchführen (8 bis 10 Beatmungen pro Minute)

  • Beatmung nicht synchron zu Herzdruckmassage durchführen (keine Beatmungspause)

  • einzele Beatmung nicht länger als 1 Sekunde

  • auf sichtbares Heben und Senken des Bruskorbes achten

 

Beatmung: ungeschulter oder geschulter, aber nicht erfahrener Helfer

  • keine Beatmung, nur Herzdruckmassage (Kompressionen) durchführen

 

Defibrillation

  • AED so frühzeitig wie möglich einsetzen.

  • Unterbrechungen der Herzdruckmassage vor und nach dem Schock möglichst kurz halten (maximal 5 s)

  • nach jedem Schock die Herz-Lungen-Wiederbelebung umgehend wieder aufnehmen, dabei mit Herzdruckmassage (Kompressionen) beginnen

 

Literatur

[1]

European Research Council (Hg.): ERC Leitlinien 2021: European Research Council 2021, Kapitel 5 'Basismaßnahmen zur Wiederbelebung Erwachsener' - Fester Untergrund, Seite 394.

[2]

German Resuscitation Council e.V. (GRC): ALS-Erwägungen für einen Kreislaufstillstand außerhalb des Krankenhauses(abgerufen 2023-12-29), Seite 53.